Mit neuem Glanz und neuer Kunst
Die zwischen 1909 und 1911 erbaute Dreikönigen-Kirche ist spirituelles Zentrum eines Viertels, dem sie den Namen gab und das der ehemalige Stadtdechant Msgr. Karl Franssen als “Pfarre von Geist und Geld” bezeichnete. Mit einem Volumen von rund 1,5 Millionen Euro wurde das Gotteshaus an der Jülicher Straße seit 2020 saniert und mit neuer Kunst bereichert. Am 21. Juni zelebriert Dompropst Msgr. Guido Assmann aus Köln das Festhochamt zum Abschluss der umfangreichen Arbeiten.
Das Ergebnis sahen sich vorab nun 40 Besucher bei einer Führung an, zu der die Bürgergesellschaft in Kooperation mit den St. Quirinus’ Schötzejeselle eingeladen hatte. Dabei waren die Künstlerin Jenny Ayala und Ludger Baten, Vorsitzender der Literarischen Kommission der “Bürger” und Baas der Schötzejeselle, die Gesprächspartner.
Das Face-Lifting ist dem Gotteshaus gut bekommen. Das Raum- und Licht-Erlebnis wird gestärkt, die Kirchenschiffe wirken aufgeräumt – weniger ist in diesem Fall offenbar mehr. Die Kirche ist über die Stadtgrenzen hinaus für ihre zauberhaften Fenster bekannt, die der niederländische Künstler Jan Thorn Prikker vor rund hundert Jahren geschaffen hat. Damals war den Auftrag an Prikker, ein Vertreter der Moderne und ein Protestant dazu, geradezu eine Provokation. Der amtierende Rektor Josef Geller, der Prikker verpflichtet hatte, wurde von seinem Amt entbunden und strafversetzt. Heute locken die Prikker-Fenster Kundstfreunde und Touristen an – besonders auch aus den Niederlanden.
Einzigartig ist auch die Decke, das “hängende Gewölbe”. Eine Idee des bekannten Kölner Kirchenarchitekten Domenikus Böhm und seines Sohnes Gottfried. Die Bemahlung, die manchen Betrachter an Gustav Klimt denken lässt, stammt von Professor Gerhard Kadow aus Krefeld. Zu seinem Team gehörte auch der Neusser Architekt und Maler Heinz Gilges, der bei Kadow an der Werkkunstschule als Meisterschüler studierte.
Zum dritten Mal haben nun die Verantwirtlichen im Kirchenvorstand der Dreikönigen-Kirche eine mutige Entscheidung getroffen: Sie beauftragten Jenny Ayala, sie ist ein Kind der Pfarre, neue Kunst zu etablieren. Sie schuf eine mediative Glaswand, die Eingangsbereich und Hauptschiff mehr verbindet als trennt. Sie schuf in der ehemaligen Taufkapelle ein abstraktes Marien-Andachtsbild und eine Licht-Krippe, die in die Tiefe reicht. Ein weiteres Element ist in Arbeit: Die Marien-Ikone aus der Taufkapelle soll zurückkehren und mit einer Lichtinstallation in Szene gesetzt werden. Ayala, die in Dreikönigen erstmals ihre Kunst für einen sakralen Raum kreiierte, hat inzwischen einen Folgeauftrag: Sie wird drei Kirchenfenster für die St. Suibertus-Basilika in Kaiserswerth gestalten.
Ludger Baten zeigte den Besuchern auch zwei Quirinus-Darstellungen: Ein Halbrelief über dem Südportal und ein Fenster in der ehemaligen Taufkapelle, das auch Jan Thorn Prikker geschaffen hat. Die Hinweise auf den Stadtpatron dokumentieren zugleich, dass “Dreikönigen” aus der Quirinus-Pfarre heraus geründet worden ist.
Der anregende Abend klang mit intensiven Gespräch bei leckerem Essen und kühlen Getränken im nahe Restaurant Achilles aus.
Text: Ludger Baten
Fotos: Hans-Georg Pelzer