Ausstellung „Mein Bild vom Nordkanal“ / Fotos von Thomas Meyer zeigen, was von Napoleons Großprojekt geblieben ist.

Im Gesellschaftshaus im Bürgersaal.

Es war eine kühne Initiative. Vor 200 Jahren, damals gehörte das Rhenland zu Frankreich, gab Napoleon seinen Ingenieuren den Auftrag, einen nahezu 200 Kilometer langen Kanal zu bauen, der den Rhein über die Maas hinaus bis zur Schelde und somit  mit Antwerpen und der Nordsee verbinden sollte. Ausgangspunkt war Neuss. Der Sporthafen, das Epachchoir und die Wasser führende Trasse entlang der Nordkanalallee erzählen bis heute von dem ehrgeizigen Projekt.

Im Heft 62 der Reihe Rheinische Landschaften beschreibt ein Redaktionsteam um den Autor Ludger Baten die kühnen Pläne der Franzosenzeit und begibt sich auf Spurensuche in Neuss und weit darüber hinaus. Herausgeber ist der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Naturschutz. Der stellte nun, vertreten durch  Bettina Vaupel, die auch die Schriftleitung innehatte, die neue Broschüre im Gesellschaftshaus der Bürgergesellschaft der Öffentlichkeit vor.

Unser Gesellschaftshaus war aus gutem Grund gewählt worden. Dort ist ab sofort im sogenannten Saal die Ausstellung „Mein Bild vom Nordkanal“ zu sehen, die knapp 30 Fotos des Neusser Fotografen Thomas Mayer zeigt. Aufnahmen, die einen ganz neuen Blick auf den Wasserlauf ermöglichen. Baten: „Thomas Mayer sieht dieses technische Denkmal in Wechselwirkung zur Landschaft und fängt in stimmungsvollen Fotos diese Beziehung Technik vs. Natur ein.“

Neben Baten und Mayer wirkten mit Bernd Bucher und Klaus Karl Kasten vom Förderverein Nordkanal und Peter Dieter Schnitzler drei weitere Neusser maßgeblich an der Entstehung des Heftes „Napoleons Nordkanal beginnt in Neuss“ mit.

Die Ausstellung ist bis auf weiteres im Gesellschaftshaus der Bürgergesellschaft an der Mühlenstraße zu sehen, wo sie sich mit Arbeiten von Thomas Mayer aus der Ausstellung „Mein Bild von Neuss“ ergänzt, die dort schon mehr als zwei Jahre erfolgreich läuft.

 

Napoleons Nordkanal beginnt in Neuss

(Rheinische Landschaften, Nr. 62)

Köln 2026, 42 Seiten, ISBN 978-3-86526-156-4   – 4 Euro

Bestellungen: rheinischer-verein@lvr.de oder über den gut sortierten lokalen Buchhandel.

 

Ludger Baten (Text), Thomas Mayer (Fotos), Elisabeth Heyers und auch Klaus Kaster haben sich drei Jahre lang auf den Weg gemacht und den napoleonischen Nordkanal für sich neu entdeckt. Und das Gesehene für uns gesammelt und aufgeschrieben. Und so eröffnet sich für uns die Chance bequem zu sehen und zu lesen. Und wieder zu erkennen. Und sich selbst auf den Weg machen.

Und im Gesellschaftshaus im Bürgersaal kann man aktuelle, moderne und neue Bilder über die Geschichte rund um den Nordkanal von Thomas Mayer betrachten. Auch um Orte wieder zu finden.

Lohnt sich.

 

Verein Förderer & Freunde des historischen Nordkanals /

Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz

Präsentation: Napoleons Nordkanal beginnt in NeussRheinische Landschaften / Heft 63 am 23.3.2026, im Gesellschaftshaus der Bürgergesellschaft Neuss, angesichts der gerahmten Fotographien über und am Nordkanal von Thomas Mayer, zu sehen im Bürgersaal als Ausstellung während der Landesgartenschau 2026 in Neuss.

Redner: Ludger Baten, Autor

Worte zum Making-off

Gemischte Gefühle. Der Titel meines Lieblingsalbums von Herbert Grönemeyer beschreibt trefflich mein Innenleben in diesem Moment, wenn ich hier und heute vor ihnen stehe und das fertige Nordkanal-Heft in Händen halte.

Da ist Stolz, etwas geschaffen zu haben, für das mir vor drei Jahren noch die Fantasie fehlte, es mir vorzustellen. Eine Broschüre, die ein napoleonisches Großprojekt beschreibt, von dem ich zuvor nur einzelne Puzzlestücke wahrgenommen hatte: den Sporthafen, das Epanchoir, den Kanal als Begleiter der Fietsallee.

Da ist Freude, Teil eines Teams zu sein, das diese Broschüre gedacht, recherchiert und gestaltet hat.

Thomas Mayer, der dieses technische Denkmal in Wechselwirkung zur Landschaft sieht und in stimmungsvollen Fotos diese Beziehung Technik vs Natur eingefangen hat. Großartig!

Bernd Bucher, der komplexe wasserwirtschaftliche Gegebenheiten und Planungen verständlich erklären kann. Ohne Bernd wäre ich zwischen Noordervaart und Zuidwillemsvaard, aber auch zwischen Erft, Obererft, Krur und Neusser Stadtgraben hoffnungslos untergegangen. Seine beiden Karten visualisierendas kühne Vorhaben. Erhellend!

Klaus Karl Kaster, der dieses Projekt wollte, der nimmermüde motivierte, initiierte, korrigierte und offenbar alles weiß, was es zu Nordkanal und Epanchoir zu wissen gibt. Und wenn Klaus auch einmal nicht spontan die Antwort auf eine Frage weiß, dann kennt er einen, der die Antwort kennen muss. Unverzichtbar!

Peter Dieter Schnitzler, der hartnäckige Rechercheur, der Quellen studiert und das Team weiterbringt, weil er weiterdenkt: „Was haben eigentlich die einfachen Menschen, die Anrainer vom Nordkanal gehalten?“ Fordernd!

Dank Euch allen. Es war eine wunderbare Zeit – nicht nur der leckeren Kuchen wegen, die bei keiner Redaktionssitzung fehlten.

Dank auch Bettina Vaupel vom Rheinischen Verein, die kompetent führt, zuhört und Neues wagt. Ihre umsichtige Schriftleitung hat dieses Heft erst werden lassen, weil sie daran geglaubt hat. Danke für Ihren Einsatz! Danke für ihre einfühlsame Redaktion! Danke für Ihre Geduld – besonders mit mir!

Gemischte Gefühle. Stolz. Freude. Dank. Zufriedenheit. Aber, ich gebe es zu, da waren auch Zweifel. Kann ich das? Ich, der Zeitungsmann, der 50 Jahre damit beschäftigt war, Texte zu verdichten, kann ich auch lang? Mein erster Nordkanal-Versuch war nach zwei Din-A4-Seiten fertig. „Prima. Alles drin“, sagte das Redaktionsteam, „und was willste noch schreiben?“ Ich habe gelernt, länger zu schreiben. Die Gliederung in zehn Kapiteln hat mir dabei geholfen.

Ja und da war und ist auch immer noch etwas Angst. Angst vor dem großen Faux pas. Hast Du Fehler gemacht? frage ich mich immer wieder. Das muss sich zeigen, wenn Wissenschaftler und weitere Experten den Text studiert haben. Die eine oder andere Unschärfe habe ich – wie könnte es anders sein – schon längst entdeckt.  Aber, das kenne ich schon, denn Zeitungsleute haben die Angewohnheit, ihre Fehler drucken und auch noch tausendfach verteilen zu lassen.

Am Ende bin ich nur noch erleichtert, dass ich die Aufgabe, die ich leichtfertig übernommen habe, auch zu einem haptischen Ergebnis geführt habe – mit viel Unterstützung so toller Menschen. Es war eine lehrreiche Erfahrung, die ich rückblickend als Bereicherung sehe. Es hat einfach Spaß gemacht. Ich habe anfangs vorsichtig an einer Rechercheecke gezupft und Schritt für Schritt kamen immer mehr spannende Details zum Vorschein.

So stehe ich heute staunend vor Napoleons Idee, die eine ur-europäische Idee ist, politisch und wirtschaftlich richtungsweisend und auf deren Realisierung wir heute immer noch hoffen – möge die sogenannte angedachte Revierbahn West einst in nicht zu ferner Zukunft Neuss mit Antwerpen verbinden. Wir verraten es auch niemanden, dass es sich dabei in Wahrheit um den Eisernen Nordkanal handelt.

Es war mir eine Ehre!

Neuss, 23. März 2026 Pressegespräch im Gesellschaftshaus der Bürgergesellschaft zu Neuss